#1: DFB-Schiedsrichter Patrick Ittrich
Shownotes
Wie fühlt es sich an, zum ersten Mal vor 80000 Zuschauern ein Fußballspiel zu leiten? Was macht es mit einem, der Sündenbock für Fans, Spieler und Funktionäre zu sein? Wie halte ich diesem Druck stand? Unter anderem darüber haben wir mit Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich gesprochen. Ein nicht ganz unheikler Gast für unsere erste Folge, denn: Mit Martin, einem unserer beiden Gastgeber, saß ihm ein ehemaliger Fußballprofi, Nationalspieler und selbst ernannter "Schiri-Bepöbler" gegenüber. Ob das gut gegangen ist? Ob Arndt als Unparteiischer schlichten musste? Hört selbst rein!
Hosts: Arndt Ziegler und Martin Werner Produktion: Ela Wildner Postproduktion: Waldemar Markin
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Sprecher: Herzlich Willkommen bei Dein Erstes Mal, dem Men's Health Podcast. In diesem Podcast sprechen Männer über ein erstes Mal das sie individuell geprägt hat. Das erste Mal auf der Bühne, das erste Mal scheitern, das erste Mal ehrlich mit sich selbst sein. Ein Gespräch über Ängste, Glücksmomente, Ambitionen und mentale Stärke. Alle zwei Wochen mit prominenten Männern aus Sport, Kultur und Wissenschaft.
Arndt Ziegler: Moin und herzlich willkommen bei Dein erstes Mal, der Manzels Podcast, ein besonderer Moment für uns, für mich, Arnd Ziegler, Chefredakteur von Manzelz und meinen bezaubernden Mitgastgeber Martin. Moin Martin. Moin Arnd. Moin Patrick. Grüß dich. Ich grüße euch. Genau. Willkommen gleich direkt zu unserem Gast, Patrick Ittrich, DFB Schiedsrichter aus Hamburg. Wir sind sehr, sehr froh, dass du heute hier bist, unser Premierengast. Dein Erstes Mal heißt der Podcast, weil wir uns immer über ein bestimmtes erstes unseren Gästen nähern wollen? Und weiterhin du steigst direkt mal mit unserem Einstieg ein.
Martin Werner: Ich mache den Anfang, Patrick, ist natürlich bei dir naheliegend als Schiedsrichter. Dein erstes Mal Bundesliga pfeifen. Ich nehme an, Traumerfüllung, wie hat sich das angefühlt, als es soweit war?
Patrick Ittrich: Erst mal, schön, dass ich da sein darf, das ist ja immer so obligatorisch im Podcast, muss man sich mal bedanken für die Einladung, aber ich bin...
Arndt Ziegler: Ich fand's auch ein bisschen unhöflich, dass du es gerade nicht gemacht hast.
Patrick Ittrich: Ich bin jetzt auch am Start, muss ich sagen. Und ich finde es natürlich sensationell, dass ich auch Premierengast bin. Weil dann, das hat in den meisten Fällen, ja wisst ihr, die meisten Klicks. Also müssen wir mal abwarten. Aber ich hoffe, auf ein gutes weiterlebendes Podcast. Ich bin sehr froh, dass es den jetzt gibt. Das noch mal dazu und danke für die Einladung. Ja, mein erstes Mal fängt eigentlich damit an, in dem man angerufen wird und gesagt bekommt, dass man in die Bundesliga aufgestiegen ist. Das ist so der erste, also dieser Anruf, den man dann bekommt. Das ist so der, wo alles auseinanderbricht, wo man Tränen in den Augen hat, wo man sein Glück gar nicht fassen kann, weil man da eigentlich sein ganzes Schiedsrichterleben daraufhin gearbeitet hat oder hingearbeitet hat. Und dann war in der Tat mein erstes Spiel im Februar. Ich bin einer der wenigen, der zur Halbserie aufgestiegen ist. In welchem Jahr war das? Das war 2016. Ich bin 2015 angerufen worden im Winter und 2016 habe ich dann mein erstespiel gepfiffen. In Freustburg gegen Ingolstadt, das ist jetzt auf dem Papier kein Monsterkracher, muss man auch schon mal sagen, aber ich will dir keinem zu nahe treten. Nichtsdestotrotz, es ist dir dann völlig egal. Also du weißt, du pfeifst dein erstes Spiel und da ist man natürlich hart aufgeregt, aber weiß auch, dass man das kann, sonst würde man da nicht nominiert werden. Und ich habe in der Tat, also das war so ein geiles Erlebnis, weil ich als Schiedsrichter dort keine gelbe Karte zeigen musste bei dem Spiel. Das ist ja auch so eine Besonderheit, manchmal treten die da rein, wo du denkst, ja, okay, jetzt hast du gleich in einer Minute schon drei gelbe Karte. Ich hatte keine gelben Karten bei dem Spiele, die haben mir gefühlt aus der Hand gefressen. Ich weiß nicht, ob es dann liegt, dass ich irgendwie einen guten Job gemacht habe oder weil das einfach das Spiel her gab. Ich weiß es nicht. Und was ich auch wirklich nie vergessen werde, als ich dann vom Spielfeld gegangen bin, hab ich nur noch Jens Westen, damals Field Reporter, so nenne sich die ja dann unten am Platz. Spieler interviewen zu mir sagte ey peri weil er mich kannte geile performance von dir und ich stand nur und denke jawohl und ja und dann gab es noch eine dritte halbzeit hier in hamburg also es war wirklich ein unfassbar geiles erlebnis für mich
Arndt Ziegler: Wie nervös warst du denn vorher? Oder ist man da so im Fokus und man weiß, was man kann? Also ich, dieser Moment, du trittst raus, erst mal als Bundesligaspieler hinter dir und dann gehst du raus und guckst in das weiter rund. Was geht einem da durch den Kopf in dem Moment?
Patrick Ittrich: Ich war ja vorher schon als Assistent fünf Jahre an der Bundesliga unterwegs, oder sechs Jahre sogar. Also man weiß aber, es ändert sich komplett, wenn du in der Hauptverantwortung bist. Du nimmst Kameras anders wahr, du nimmste das Umfeld anders wahr. Du weißt, die Leute wollen ein Interview von dir, vom Assistenten wollen dir das nicht. Also du bist in der Haupverantwortungs- und weißt darum. Aber ich habe mich gut auf das Spiel vorbereitet, weil du versuchst ja alles ... Auszulegen, dass es für dich am besten ist und dass du bestmöglichst vorbereitet bist. Und trotzdem ist diese Grundnervosität bei dem ersten Spiel natürlich viel, viel höher, als wenn du schon ein 50. Oder 60. Hast. Ich bin immer noch minimal nervös, weil es zur Anspannung dazugehört vor jedem Bundesliga-Spiel. Weil ich weiß, was auf dem Spiel steht, wer es alle sieht, was meine Leistung betrifft, etc. Da hängt ja so viel dran. Aber vor diesem speziellen ersten Spiel bist du natürlich besonders nervös. Aber wenn der Pfiff ertönt, ist vorbei. Der erste.
Martin Werner: Was ich mich gerade frage, du sagst jetzt gerade, du kriegst den Anruf und weißt, du bist jetzt in zwei, drei Monaten in der Hauptverantwortung. Du warst vorher immer als Assistent. Wie bereitest du dich dann darauf vor, wenn du weißt du hast jetzt noch zwei, drei Monate und dann bist du aber Chef im Ring? Wie geht man damit um? Also der Unterschied zur zweiten Liga ist,
Patrick Ittrich: Das ist ja, sag ich mal, das Mediale in der Bundesliga. Das ist ein so vielfaches Höher. Und auch die Athletik, der sporrliche Charakter, ist in der Bundessiege um ein Vielfaches höher. Der Schritt von der dritten zur zweiten Liga ist nicht so hoch wie der von der zweiten zur ersten. Das sehen die Mannschaften, das sehen die Schiedsrichter. Das ist eigentlich klar definierbar meines Erachtens. Und jetzt hab ich ja schon ein paar Spiele gefilft auch in der zweiten Lige. Also bin ja dann auch ein erfahrener Schiedser in der zweien Liga gewesen. Alt in die Bundesliga gekommen mit 36. Das ist jetzt nicht so üblich. Normalerweise bist du vielleicht drei, vier Jahre jünger, wenn du in die Bundessieger aufsteigst. Und ich wusste ja, wie Pfeifen funktioniert. Aber du bereitest dich natürlich auf die Mannschaften vor. Du versuchst dein Training nochmal. Also mit Bundesliga-Beginn oder ich wusst, ich steige in die Bundestag auf, hat sich auch noch meine Athletik, mein Training verändert. Ich habe mehr gemacht, härter trainiert, mich mehr fokussiert. Also du legst noch eine Schippe drauf, ehrlicherweise.
Arndt Ziegler: Du denn, dass es vielleicht sogar leichter war, dass erst mal ein Spiel, das erste Spiel war, das nicht so im Fokus ist mit den beiden Mannschaften? Also, dass das nicht gleich das Revier Derby war? Das ist ja normal.
Patrick Ittrich: Sonst verbrennst du natürlich. Du kannst keinem Neuling in der Bundesliga jetzt Dortmund und Bayern geben. Und dann, da war es vielleicht dein letztes Spiel, dann kannst du gleich wieder absteigen. Also das funktioniert. Man achtet schon darauf, dass man sanft aufbaut. Und je nachdem, wie du dann performst im Laufe der Saison, im Laufer der Spiele, kann man dir auch gehaltvollere Spiele geben. Aber ich sag immer, das ist vielleicht auch mal so ein Trugschloss. Es gibt auch diese Spiele, wo man vermeintlich denkt, da ist nichts los, und dann geht's da richtig rund. Da kannst du genauso auf die Schnauze fallen wie bei Top-Spielen. Und der Unterschied ...
Arndt Ziegler: Das haben wir uns im Vorfeld auch gefragt. Du hast ja auch klein angefangen, wie jeder. Ist das der Unterschied zwischen einem Kreisligaspiel, einem Bezirksligaspier? Alleine was das Spiel angeht, ist der, wie groß ist der zu einem Bundesliga-Spiel?
Patrick Ittrich: Prozent Umkehr. Also schon, weil es geht ja um die Art und Weise, wie Fußball gespielt wird. Also da ist ja alles anders. Was ich in einem Kreisjägerspiel, sag ich mal, total interessant finde, gerade auch was den Schiedsrichterbezug betrifft, da hörst du halt jeden Einzelnen. Da hörst Du halt den Rentner, den Pfarrer, den Trainer, Du hörst jeden Einzeln auf Dich einpöbeln mit einer relativ klaren Stimme. Im Stadion hast du nur die Masse. Also, wenn da einer an seinen ... Scheiße, geh mal nach Hause! So, das hörst du natürlich zu 100 Prozent. Das ist im Stadio nicht der Fall, da hörst ja eine Masse, aber es geht ja um die spielerischen Akzente. Der Spielfluss, die Schnelligkeit des Spiels, die Athletik, die Kombination, die Einzelspieler. Das sind alles Unterschiede wie Tag und Nacht. Also, ich hab zu Beginn jetzt nach meiner Verletzung ein Oberligaspiel in Hamburg gefiffen. Und ich will jetzt auch wirklich keinem nahezu nahe treten, aber das merkst du halt, dass da ... Das ist für mich, denn ich sag manchmal aus Scherz, wenn ich mit einigen Spielern so ein bisschen im Joke rede, dass es Zeitlupenfußball. Aber das ist wirklich so. Also im Vergleich für mich dann zur Bundesliga ist das kein Vergleich.
Martin Werner: Aber das würde ich auf jeden Fall unterstreichen. Also wenn ich mir jetzt ein Drittligaspiel in der ersten Reihe angucke, Zweite und Erste Liga, da denkst du auch, was machen die in der dritten Liga? Warum ist das so langsam? Also dass man das auch versteht, wie schnell ist eigentlich Bundesliga-Fußball an sich. Aber das, was du gerade meinst, wenn du jetzt Oberliga pfeifst, dann ist es von der Umgebung her ruhiger. Das heißt, du hörst auch mehr Pöbelein. Gebt man dann gezielter drauf ein, weil ich mir vorstelle, wenn man vor 50.000 pfeift, dann pöbelt ein Spieler, geht vielleicht auch unter.
Patrick Ittrich: Ja, mir geht's jetzt eher um die Zuschauer, ne? Also wenn jetzt, ehrlicherweise, wenn ich jetzt auf dem Platz stehe als Schiedsrichter in der Oberliga, da kommt halt keiner. Also in der Dritten Liga kommt auch keiner, weil die wissen halt um meine Person. Es gibt immer einige, die versuchst dann trotzdem, aber da kommt keiner. Ich hab's dann auch einfach. Und wenn dann, dann nehm ich mal die Zeit, wenn einer von der Tribüne ... Hey, Drey, warst du da wieder gefiffen? Dann ruf ich halt zurück, weil ich halt auch ein Leichen an der Macke hab. Und das mach ich ja früher auch mal in der ersten und zweilieger gemacht, dass wenn ich... Zum Spielertunnel ging und dann standen manchmal oder es ist immer mal der Fall, dass gerade dort, wo sage ich mal das meiste Geld sitzt, mehr oder weniger auf diesen Haupttribünen die Menschen, die Väter mit ihren Kindern sitzen und wirklich schamlos Worte rausknallen, Sätze, die unter der Gürtellinie sind, die eigentlich Kinder gar nicht hören, die da nicht hingehören und dich bepöbeln bis aufs Übelste, dass ich manchmal stehen bleibe und die zur Rede stelle, obwohl das ja gar nicht meine Aufgabe ist, weil eigentlich gehe ich da nur, aber ich würde mich interessiert einfach nur, mit welcher Motivation man Menschen beschimpft.
Martin Werner: Um was kommt denn da zurück?
Patrick Ittrich: Was sagen die, wenn du die direkt ansprichst? Die haben halt keine Antwort. Also ich sag dann konkret zu dem, was ist denn dein Problem? Was habe ich jetzt heute falsch gemacht, dass dein Verein verloren hat? Sag das mir konkret ins Gesicht. Ich schrei dir noch an. Und dann steht er und sagt, weiß ich nicht, ist doch egal. So, die wollen halt, du erkaufst sie ja mit der Eintrittskarte. Also es gehen ja auch Menschen ins Stadion, nicht nur um ihre Mannschaft anzufeuern, sondern im Endeffekt um den ganzen Druck der Woche, vielleicht sogar unterbewusst loszuwerden. Und das muss irgendwo kanalisiert werden auf dem Schiedsrichter, weil die eigene Mannschaft nicht eingepöbelt. Meistens. Und insofern ist das oft der Fall, dass das so geschieht. Das gehört zum Fußball leider dazu, zur gewissen Art von Fußballkultur. Ich mag das nicht so. Ich finde generell, dass wir in Deutschland eine tolle Fußballkultur haben, viele Länder. Und auch wenn ich jetzt in die NFL gucke zum Beispiel, also für unsere Fernkultur werden wir beneidet in Deutschland, auch zurecht. Aber es überschreitet oft Grenzen, die nicht okay sind. Und deswegen finde ich, dass man da auch durchführt.
Arndt Ziegler: Nachdenken muss. Wo du gerade sagst Thema Grenzen überschreiten, da hat man schon als Außenstehender ab und zu das Gefühl, dass so Schiedsrichter wie so eine Art Freiwild sind. Du sagst selbst, man erkauft sich mit der Karte das Recht zu pöbeln. Da fällt mehr oder als Außensehender natürlich gleichbar bei Grafati ein. Der Druck 2011, der Selbstmordversuch, hast du das Gefühl dass sich seitdem was zum Positiven geändert hat oder war das wie leider so oft so ein kurzes Aufflammen? Jetzt ist wieder alles wie früher wie.
Patrick Ittrich: Wie nimmst du das so wahr? Das ist ja facettenreich, weil man als Schiedsrichter Druck von mehreren Seiten verspüren kann. Einmal Druck von deiner eigenen sportlichen Leitung, die dir Druck auffälligt, weil du vielleicht nicht gut performst und weil du das nächste Spiel nicht bekommst. Dann Druck von den Medien, von der Gesellschaft, Druck von denen Vereinen. Wir werden ja beurteilt von jedem. Also wir werden ja von allen beurteilt. Dann Druck vor den Fans, Druck im Edeka oder Rewe. Ja, ich will das gar nicht so machen. Oder Lidl oder Aldi, egal. Also, wenn du im Supermarkt bist und kriegst da irgendwas gesagt, oder vor allem, und das ist der schlimmste Druck, den du dir selber machst, wenn man spieleitzt. Und das ist die erste Frage, die man sich beantworten muss. Und danach geht es ja weiter, indem du sagst als Schiedsrichter, wie werde ich eigentlich generell behandelt, vielleicht auch im Bezug zu früheren Jahren. Und da kann ich aber nur sagen, für mich bezogen, weil ich ja alle Jahre mitbekommen habe, es ist deutlich besser geworden. Also gerade medial, gerade die Sicht auf Schiedsrichterei, auch von Fernsehunternehmen, von Medienunternehmen ist die Sicht, auf die Schiedssrichterei oder die Transparenz auch unsererseits viel, viel besser geworden Wir werden das nie ändern können, dass man auf einen Unparteiischen oder eine Unparteische schimpft, weil man ja immer sein Recht für sich beansprucht. Und man will immer Recht haben und dieses Wort Gerechtigkeit, das ist ja immer nur für den am wichtigsten, der sich selber gibt. Insofern wird das nie 100% nicht ausgemerzt werden, aber ich glaube schon, dass es generell besser geworden ist. Wobei und der gesellschaftliche Aspekt, den wir mittlerweile in unserem Land haben und in der Welt haben, wieder in eine Richtung geht, dass man genau diese Berufe und diese Ehrenämter, die eigentlich für die ... Gute Mitte der Gesellschaft sorgen und für eine Unparteilichkeit am meisten angreifen. Ob es Polizei ist, ob es Feuerwehr ist, ob es ehrenamtliche Tätigkeiten sind, die immer weniger werden, ob es Trainer sind, Trainerinnen, Schiedsrichter, also alle, die im Endeffekt für eine stabile Mitte sorgen, im ehrenamtlichen und im gesellschaftsozialpolitischen Rahmen, dass die am meisten angefallen und angegriffen werden. Und das ist eine Richtung, die halt umgekehrt werden muss.
Arndt Ziegler: Glaubst du, woran das liegt? Weil es einfach so leicht ist? Weil jeder meint, da mitreden zu können, weil jeder dazu eine Meinung hat? Oder warum ist das dann so?
Patrick Ittrich: Ja, also das gab's auch früher schon. Es ist natürlich sichtbarer durch, und da muss man einfach Social Media mit in den, also es ist einfach sichtbarrer geworden, das werden ja auch viele Sachen verbreitet, die nicht stimmen, aber wir haben einfach durch viele, viele Aspekte im gesellschaftlichen Miteinander verlernt, in einen Diskurs zu gehen, in ein Disput zu gehen in eine Debatte zu gehen. Weil ich sag immer, ich versuch's eigentlich immer so zu positionieren, weil ich das für mich so festgestellt habe, dass wir mehr oder weniger in eine Gleichgültigkeitsgesellschaft kommen. Also jeder darf machen, was er will. Was ich grundsätzlich nicht verkehrt finde, also ich finde, dass wir uns, dass viele Dinge geöffnet wurden und viele Dinge möglich sind, die es früher nicht gab. Das ist großartig, weil ich es auch einmal in Kindern sehe. Ich habe ja nun vier. Von einer Frau muss man heutzutage sagen, ne? Alles richtig gemacht. Aber trotzdem gibt es gewisse Dinge, die vielleicht vorgegeben werden müssen. Und wenn man in gewisserlei Hinsicht alles das machen darf, was man möchte, dann kann man mal von Weg abkommen, wenn man es nicht schafft, den Weg alleine wieder zu finden. Aber ich glaube, dass wir in unserer Gesellschaft einfach wieder mehr miteinander reden müssen. Und das ist so, ich habe da jetzt auch kein hundertprozentiges, klares Ziel vor Augen, aber ich glaube es gibt gewisse Vorgaben, die gemacht werden müssen, damit es uns vielleicht wieder ein bisschen besser miteinander geht.
Arndt Ziegler: Ich habe noch mal eine Rückfrage zum Thema Babakrafati. Was hat das in dem Moment mit dir gemacht? Also ich meine, das hat uns alle total bewegt. Was macht das mit jemandem, der hast du dir in dem Moment gedacht? Kacke, das so könnte es mir auch gehen. Warum tue ich mir diesen Druck an? Warum mache ich das? Oder was hat das? Du erfährst das? Du hörst das. Was geht dir da im Kopf vor?
Patrick Ittrich: Also ich muss dieses Thema Baba Grafati vielleicht muss ich das euch noch mal erklären oder den Zuhörerinnen und Zuhören noch mal erklären in aller Form ich habe mit Baba keinen Kontakt seit dem eigentlich mehr oder weniger seit dem Vorfall keinen richtigen Kontakt mehr Und du denkst ja in dem Moment auch gar nicht rüber nach, weil ich wusste ja den Auslöser gar nicht. Ich weiß ja ich habe ihn ja nur vorgefunden mit meinen Kollegen Und da haben wir erst der Hilfe geleistet und ich wusst ja gar nicht worum es geht und was in einem Menschen wirklich vorgeht das weiß ich immer noch nicht Was geschrieben steht, was gesagt wird, was öffentlich von ihm auch publiziert wird, das ist das, was er sagt. Ob es wirklich so ist, weiß ich nicht. Und da habe ich mich jetzt auch von distanziert, muss ich sagen, weil sonst gehst du ja selber ein bisschen kaputt dran. Also im ersten Moment ist das wenn du jemanden so vorfindest, der suizidale Absichten hat. Oder nicht nur Absichten, sondern sie auch mehr oder weniger vollzieht. Und du musst denjenigen retten und das ist unvorbereitet, das is ein Freund in dem Moment. Dann bist du dann also ich habe funktioniert Das hat mich Jahre mitgetragen, also das kommt erst später. Und ich hab versucht, einen Abschluss zu suchen mit ihm, das hat nicht funktioniert. Und ich will die ganzen Themen jetzt auch nicht wieder aufgreifen, weil das einfach zu viel drumherum passiert ist, auch medial. Ich hätt's mir gewünscht, es ist nicht passiert, das ist auch okay so. Und ich habe damit lange abgeschlossen. Aber du denkst in dem Moment nicht drüber nach, warum macht irgendjemand irgendwas? Und trotzdem sind wir alles Individuen. Jeder speichert das für sich so ab, wie er es gerne hätte. Könnte nie von mir behaupten, dass es mir nicht passieren würde. Ich glaube es zwar nicht, weil ich ein anderer Typ bin vielleicht, aber da kann keiner die Hand für uns Feuer werfen. Ich sag immer, und das ist so mein Credo, wir haben alle, wenn er zum Bäcker geht, dann kriegst du so ein Stempel, wenn du 10 voll hast, dann kriegt du beim elften Stempeln ein Brötchen umsonst. Und wir haben alles so eine persönliche Stempelfarte. Und bei jedem Ereignis kriegen wir alle so einen Stempels. Und der eine hat eine Stempelparte, da passt ein 100-Stempel rein. Und dann hat einer oder der eine einen Stempel, wo nur 5 reinpassen. Und wenn der sechste Stempeld kommt, bist du fertig. Und das weiß Keine. Das weiß keiner.
Martin Werner: Was mich oft beschäftigt, ist das Thema Fehlerkultur. Gefühlt darf jeder einen Fehler machen, nur Schiedsrichter nicht. So nehme ich das wahr. Die sind angreifbar ohne Ende. Wenn du auf dem Platz stehst und definitiv für dich weißt, ich glaube, ich lag daneben. Oder vielleicht durch den VAR, der jemand sagt, Patrick, guck noch mal drauf. Du guckst drauf. Du weißt für dich, ich muss jetzt noch 80 Minuten das Spiel leiten. Und hier sitzen 50.000 und es sitzen noch hunderte von Millionen vorm Fernseher. Alle wissen, Etrich, du hast einen Fehler gemacht. Wie geht man damit um, das Spiel sauber zu Ende zu bringen? Wie sortierst du das vielleicht weg? Wie kriegst du den Fokus wieder auf? Abhaken. Weiter geht's. Kann ich eh nicht mehr ändern.
Patrick Ittrich: Ja, das ist eine mentale Aufgabe, auch eine psychologische, auch vielleicht sogar eine sportpsychologische Aufgabe, die man als, sag ich mal, horizontaler Schiedsrichter für sich klären muss. Also für mich ist wichtig, mache ich einen Fehler auf dem Platz und der ist bekannt, dann hake ich den sofort ab und die Aufarbeitung kommt nach 90 Minuten. Der ist weg. Also ich pack den vor eine Wand und dann ist der weg. Der ist komplett weg? Der ist ganz komplett weg. Ich denke überhaupt gar nicht mehr drüber nach, weil sobald du im System abgespeichert hast... Und denkst darüber nach, was du falsch gemacht hast, und dann kommt die nächste dicke Entscheidung, bist du nicht frei für die nächste Entscheidung. Das ist unmöglich. Aber ist das in der Halbzeit ein Thema, zwischen dir und deinen Assistenten? Ja, das ist in der halben Zeit ein Thema. Dann ist es ja wieder da. Aber nur, Patrick Hages, wenn man merkt, manchmal zweifeln wir ja trotzdem, und dafür hast du ja auch ein Team, dass die dich natürlich auch wieder dann reinholen, auch während des Spiels. Komm abhaken, weiter geht's. Aber ich hab's für mich eigentlich so versucht zu klären, dass dieser Fehler für mich weg ist. Und natürlich spricht man eine Halbzeit drüber, weil er natürlich auch eine halbe... Macht ja keinen Sinn, ich kann da nicht hingehen und sagen, sprich mir nicht drüber. Das macht keinen Sinn. Also man kann schon sagen, OK, das ist passiert, aber es ist jetzt irrelevant für das Spiel, weil wir müssen weiter funktionieren. Und dann kommt die Aufarbeitung danach. Dann kann ich mich damit beschäftigen. Warum ist der Fehler passiert? Wie ist er passiert? Kann ich ihn besser machen? Kann ich ihm irgendwie Stellung spielen? Können wir im Team besser agieren? Das kommt alles danach. Aber das ist schon hart, wenn du sofort mit dem Fehler konfrontiert wirst. Früher, weißt du so, ohne VR, hatten wir ... Die Fernsehanstalten, es gibt ja eine Produktionsfirma in der Tochter der DFL, die nennt sich Sportcast und die sagen uns, wann wir aufs Spielfeld gehen sollen, die zeigen dann an 3, 2, 1 und da wird gefifft. Also die im Endeffekt für die Produktion des Fußballspiels zuständig. Und manchmal war es so, wenn du den einen oder anderen gut gekannt hattest, dann konnte der dir in der Halbzeit sagen, was der Kommentator gesagt hat und eventuell ob du doch einen Fehler gemacht hast in der 12 Minuten, den Elber, der war doch kacke. Das war aber auch nicht immer alles safe, weil es sein kann, dass es auch immer noch eine Line-Meinung ist. So, aber jetzt wirst du ja zu 100 Prozent sofort mit dem Fehler konfrontiert. Das heißt, ich renn mit Puls 180 Richtung Strafraum, Pfeifen, Strafstoß, bin mir 1000 Prozent sicher, der haut den da aus den Socken und der macht die Schwalbe der Nation. Sagt der VR zu mir, Patrick, die haben die Situation überprüft, ich erkläre ja alles live dem Videoassistent. Das heißt, alles, was ich sehe und pfeife, erkläre ich gleichzeitig kommunikativ, dass der mich hört. Verstehe. Also, das ist freigeschaltet, der Videoassistant hört alles, das ich sage. Und ich sage dann für mich klarer Fußtreffer, für mich ein Stempeln, so heißt es heutzutage, wenn er einem auf den Fuß tritt, für mich, ein klares Stempel, im 16er, der trifft ihn ganz deutlich am Sprunggelenk, klarer Strafschluss für mich. So, und dann muss ich kurz warten, dann werden die Bilder... Mit dem, was ich gepfiffen habe, überprüft. Und dann sagt er zu mir, Patrick, wir haben das überprüfen. Der tritt neben dem, der lässt sich fallen. Für uns ist eine Schwalbe. Ich rate dir, geh mal raus und guckst dir an. Er gibt mir keine endgültige Entscheidung, denn ich als Schiedsrichter treffe die Entscheidung. Du weißt aber schon. Scheiße. Wenn er dich rausholt, ist das kein Problem. Ist das zu 99 Prozent, korrigierst du, oder zu 90 Prozent. Dann bist du live mit deinem Fehler konfrontiert.
Martin Werner: Du läufst ja dann schon mit dem Wissen quasi zum Bildschirm und weißt..
Patrick Ittrich: Dann läufst du mit dem Wissen zum Bildschirm und sollst dann danach im Announcement, im Verkünden der Entscheidung, auch noch den Leuten in einem juristischen, klaren, guten Drei-Schritt erklären. Nach Ansicht der Bilder und nach Überprüfung. Und am Ende steht das und das. Denkst schon beim Hinlaufen, ah, was sag ich jetzt eigentlich? Und hast noch gar nicht die Situation vor Augen. Das musst du erst mal alle lernen. Es wird immer mehr von uns verlangt und erwartet. Gerade ist das für die mentale Stärke. Schon eine herausfordernde Situation. Aber ist da nicht irgendwann mal das Maximum erreicht? Ich bitte dich, jetzt guck mich doch an, ist bei mir das Maximium erreicht? Ich bitte Dich!
Arndt Ziegler: Ich meine, also glaube ich nicht, aber du weißt, was ich meine, so dieses, jetzt müsst ihr euch da auch noch hinstellen und das allen erklären. Was kommt denn als nächstes? Ja, das ist eine gute Frage. Und könnt ihr euch dagegen wehren? Naja, jetzt haben wir auch noch die Revcamp, wo auch noch alles aufgezeichnet wird und dann kriegst du auch noch...
Patrick Ittrich: Ich glaube schon, dass irgendwann eine Grenze erreicht ist. Aber es ist ja auch eine Grenz erreicht, von der dritten Liga, zur zweiten Liga und zur ersten Liga. Es hat auch eine Qualitätsfrage. Das hört sich jetzt ein bisschen hart an. Aber es werden dann halt immer nur die Besten genommen. Und die, die es dann nicht mehr leisten können, das ist ja im Fußball ähnlich, die pfeifen dann halt keine Bundesliga.
Arndt Ziegler: Aber apropos Grenze erreichen, jetzt muss ich ja vorsicht haben, was ich sage, aber wir sind ja ein Jahrgang. Das heißt, du bist noch blutjung, aber mit 46 für die Schiedsrichterei, jetzt auch nicht wie der aller Jüngste. Das ist korrekt. Ab und zu auf dem Platz, vor allen Dingen, also ich bin mir fast sicher, dass es vorkommt, dass du dir auf und zu mal denkst, oh Mist, der ist mir echt zu schnell, ich komme nicht hinterher. Nein. Nein. Also, wie geht's? Also, keine Ahnung, du fielst wahnsinnig schnell in den Spieler. Ja, kann ich ja auch.
Patrick Ittrich: Oder auf der linken Seite, hier in Dortmund, äh, wie heißt die ja, ähm... Ryerson, oder ist der nicht so schnell? Nein, Mensch, mein Gott, jetzt krieg ich... Adeyemi, Mensch! Den mein ich doch manchmal. Weil ich ein Jahr nicht mehr gepfiffen hab, kenne keine Bundesliga-Spieler.
Arndt Ziegler: Aber da schiebst du ja, da versuchst du ja nicht dran zu bleiben. Nein, das ist...
Patrick Ittrich: Nein, das ist Laufökonomie.
Arndt Ziegler: Klingt ein bisschen lustig, aber ist wirklich so.
Patrick Ittrich: Natürlich, die laufen 36 kmh an der Spitze, das schaffe ich nicht mehr, da schaffe ich mit Glück die Hälfte, also ein bisschen mehr schon, aber also meine Spitzenzeit war mal 32 kmh, das ist jetzt ein paar Jahre her, aber das ist, je älter du bist, einfach nicht mehr möglich. Das ist einfach nicht mehr. Du trainierst wie ein Stier eigentlich zur Erhaltung, aber du kannst nicht mehr drauf packen. Das ist eigentlich in dem Alter, in dem ich mich befinde, nicht mehr möglich. Und das Gute ist, im Schiedsitz der Wesen, du kannst durch Laufökonomie, kannst schon vieles. Wegmachen. Du brauchst aber trotzdem eine gewisse Sprintstärke und eine gewissen Ausdauerstärke, Intervallstärke. Sonst kannst du in der Bundesliga nicht pfeifen. Und deswegen ist ja auch irgendwann auch Schluss. Wann ist bei Spielern Schluss? Sag ich mal, wenn du im Schnitt sagst, wann Hörten Spiele auf.
Martin Werner: Ich glaube, ich könnte immer noch mit 38.
Patrick Ittrich: Ja, ich muss dich auch sagen, aber du könntest ja immer noch fast mein Sohn sein, also insofern, es ist ja, sagen wir mal 32, 33, hören die auf, im Schnitt vielleicht. Mal einer, da hast du einen Ausreißer nach oben, dann hast du auch mal Sportinvaliden, die nach unten. Ich meine, ich habe ja schon ein paar Verletzungen hinter mir, also ein paar dicke Verletzung. Und die hören dann auf, weil die einfach sagen, ok, ich leiste das nicht mehr. Da fangen wir ja erst an. Da fangen wir erst an und deswegen sage ich Schütze 3 ist eine eigene Sportart. Weil wir eine komplett eigene Philosophie des Laufens und eine komplett eigene Art und Weise des Sports auf dem Platz haben. Das ist was ganz anderes. Und trotzdem, um die Frage letztendlich am Ende zu beantworten, man schafft natürlich nicht, so einem Spieler näher zu kommen, das ist unmöglich. Aber du schaffst es durch Laufwege und dann doch auch durch Training, Athletik etc., was alles dazu sagte, trotzdem auch. Dort zu sein, wo es brennt, das ist auch eine Sache von Erfahrung. Antizipation, du weißt ja auch manchmal, wo kommt der Ball hin. Das ist ja auch ein ganz großes Thema im Schiedsrichterwesen. Die Erwartbarkeit, wo muss ich mich aufhalten und wo kann es bennen, damit ich dort stehe. Das ist bei Zweikämpfen so, das bei Situationen im 16-Meter-Raum so in der Box, wo du weisst, da kann es zu einem Strafschluss kommen und die ... Laufwege haben sich extrem verändert. Früher gab es die sogenannte Diagonal. Du beißt immer gegenüber auf dem Pendant. Du musst dir vorstellen, du hast ein Fußballfeld und auf der einen Seite läuft der Assistent, auf der anderen Seite läuft der Assistant und du bist immer im Endeffekt in einer Diagonalen, dass du immer auf 16er Höhe den Assistenten, die auf der gegenüberliegenden Seite hast, weil der deckt im Endefekt den Raum bei sich ab. Okay. Das ist vorbei. Du musst da Schiedsler überall auf dem Platz haben, weil es gibt so viel tote Räume auf dem platz, wo keiner hinkommt. Kann das heißt, muss eigentlich überall sein. Deswegen hat sich das Laufverhalten und auch die. Laufgeschwindigkeit und vor allem auch die Laufmasse in Kilometeranzahl extrem nach oben verändert.
Martin Werner: Also ich, wenn ich jetzt aktiver Spieler noch wäre, könnte es mir dann glaube ich nicht verkneifen, dem Schiedsrichter auch mal einen Spruch zu drücken im Sinne von ja, kommst nicht mehr ganz hinterher. Ist das Thema, also wie ist der Austausch mit den Spielern? Ist das so, bei mir war das früher unantastbar?
Arndt Ziegler: Dazu muss man kurz sagen, dass Martin selbst mal in der unnationalen Mannschaft gespielt hat. Und deswegen, das wäre ja auch was gewesen, ihr beide, ob ihr euch überhaupt vertragt, aber es klappt ganz gut, deswegen weitermachen Martin, dass wir jetzt so für uns sind.
Patrick Ittrich: Die meisten Fußballer sind ja auf dem Parkett anders wie nebenan, also viele, weil da wird so ein Schalter umgelegt bei den meisten und dann sind die nur noch völlig ferngesteuert unterwegs und sehen noch die Pille und ihre Mitspieler und alle anderen sind teilweise freiwillig und sobald das Spiel vorbei ist, dann kommen sie in die Kabine und wollen eine Cola, weil es in der eigenen Kabine keine Cola gibt. Also insofern erzählt mir nichts.
Martin Werner: Ich würde das sofort unterschreiben, also ist so die Frage, wie geht man damit um, was lässt man zu, hat man irgendwann ein Gespür dafür, wie gehe ich mit Spielern um, gibt es verschiedene Spielertypen, gibt's bestimmt, aber dass das halt, dass du trotzdem der Chef bleibst auf dem Platz, dass dir da keiner auf der Nase rumtanzt. Es gibt eine wichtige Regel.
Patrick Ittrich: Die man als Schiedsrichter beachten muss, Kumpanei geht nicht, ja. Und ich versuch immer, auf Augenhöhe mit den Spielern zu sein. Aber ich muss immer, wenn man sich zwei Linien denkt, die aufeinander zugehen, muss ich in der Mitte drüberstehen. Ich bin ein sehr kommunikativer Schiedstrichter. Bei mir geht's um Bezugebrot und Peitsche. Die Spieler wissen genau, woran sie bei mir sind. Ich rede gut und viel und auch angenehm mit den Spielen und erwarte, dass man mit mir redet. Aber sie dürfen eine Grenze nicht überschreiten.
Martin Werner: Aber das ist ja der Vorteil für mich oder generell für Spieler. Sie wissen, sie können das erwarten, was kommt. Genau.
Patrick Ittrich: Ich nenne Schiedsrichter immer Spieleiter, musst du berechenbar sein. Du kannst nicht die eine Aktion so machen und die andere so machen. Du kannst dich da nicht pfeifen und da pfeifend. Du kannst sich mit denen schimpfen und mit denen reden, als ob er dein bester Kumpel wäre. Das funktioniert so nicht. Es gibt natürlich mal Momente, wenn ich jetzt einen Trainer habe, den ich schon Ewigkeiten gefiffen habe, den ich lange kenne, dann klatsche ich mit dem mal ein und dann kommt da irgendeiner anderer, den noch nie gesehen habe. Mit dem klatsch ich auch an, aber dem begegne ich anders. Das heißt aber nicht, dass ich ihn anders behandle. Aber da musst du natürlich vorsichtig sein, weil das kann dir immer als Schiedsrichter negativ ausgelegt werden, weil du bist die Unparteilichkeit, das ist deine Instanz. Du bist die Neutralität in Person und wenn du von vornherein schon sichtbar andere anders behandelt und dann im Spiel auch eventuell noch zu einer Situation kommt, wo die sich dann benachteiligt fühlen, dann hast du die Lampe an. Deswegen musst du immer gucken, dass du das sauber verpackst und sauber auch ansprichst. Ich rede aber auch mit den Menschen. Wenn ich jetzt zu dem einen Trainer gehe und den kenne ich Ewigkeiten, mit dem Steffen Bromgaard, mit dem ich mich auch immer beschimpfe, weil das ist so regel. Aber ein cooler Typ, ich mag den gerne, aber nichts damit zu tun, dass ich den im Spiel nicht anders behandle. Dann sage ich, auf der anderen Seite ist ein Trainer, den ich noch nie gesehen habe, dann kann man auch mal sagen, hör mal zu, den Steffen kennst du schon Ewigkeiten mit dem, wenn ich einen klatsch, dich kenne nicht so lange, aber das hat damit nichts zu tun. Ich freue mich trotzdem auf das Spiel und gutes Spiel wünsche ich Ihnen. Also man muss ja miteinander reden.
Martin Werner: Aber du bringst es auf den Punkt, also Kommunikation ist der Schlüssel sowieso in der Gesellschaft, aber auch dann halt im Stadion auf dem Platz mit den Mannschaften, um halt unparteilich zu bleiben.
Patrick Ittrich: Also ich finde, wie als Schiedsrichter, das ist ja manchmal so, einige haben ja früher gedacht, wir werden mit einem Raumschiff vom Planeten Pluto abgeholt. Ist das nicht so? Das ist nicht so, das kann ich dir jetzt, ich kann dir die Zahn ziehen, da werden wir abgelegt, am Sportplatz und am Ende vom Spiel werden wir wieder eingeladen, da geht die Klappe wieder zu, wir fliegen wieder zum Planeten-Pluto, also wir sind Menschen, also es ist schon so, dass das der Fall ist. Und insofern, ich glaube, uns kann man auch ganz gut mit vielen von uns Pferde stehlen gehen und das merken auch die Spieler. Und wie gesagt, Schiedsrichterei ist sehr, sehr transparent geworden mittlerweile. Es wird ja alles auf Schritt und Tritt, werden wir ja auch mittlerweile aufgezeichnet mit Dokus etc. Da gibt es so viele Sachen und das ist auch richtig so. Aber es gibt gewisse Dinge und ich glaube das wirst du mir als ehemaliger aktiver Fußballer auch sagen, die dürfen gerne auf dem Platz bleiben.
Martin Werner: Unbedingt, also Formulierungen, die stelle ich heute noch in Frage, die dann da so rausrutschen, weil es einfach höchst emotional ist, du bist halt...
Patrick Ittrich: Genau, aber ich red, vielleicht nicht, dass die Leute das verwechseln. Also da wird sich nicht ständig beleidigt auf dem Platz. Das ist nicht der Fall. Also da kommen mal zwei härtere Wortfetzen, aber es ist nicht, dass man sich ständig mit harten Worten beleidig, weil dann fliegen die Leute raus. Also wenn mir einer kommt und sagt ein gewisses Wort zu mir, dann fliegt er halt raus. Das ist mir auch egal, ob er dann sagt, es ist mir rausgerutscht. Er hat nichts hier nicht zu suchen. Also trotzdem muss man eine gewisse Etikette wahren auf dem Platz und trotzdem gibt es mal härteren Sprüche. Und eine Sache noch, nur ich hab ja das Mikrofon. Das, was ich sage, wird aufgezeichnet. Wenn jetzt einer aus drei Metern angelaufen kommt, mich anschreit, dann hört man nicht, was der sagt. Das heißt, ich muss immer die Ruhe bewahren. Und wenn ich mal einen raushaue, dann muss ich ganz genau mir überlegen, was ist. Und je mehr Aufzeichnungen im Fernsehen es gibt, je mehr Refcams es gibt. Je mehr Transparenz es gibt schränkt es mich natürlich auch manchmal und gerade mich als Schiedsrichter, weil ich ihn sehr kommunikativ bin, auch manchmal in meiner Art und Weise ein Spiel zu leiten, weil ich komme über die Persönlichkeit. Und das macht mir auch das eine oder andere Spiel leichter, weil ich dann, wie du schon sagtest, Spielertypen, Spielercharaktere greife, Ja. Mit denen rede auch mal andersherum. Vielleicht nicht immer nach einer gewissen Etikette, sondern auch mal anders. Je nachdem, was ein Spieler braucht und damit dann auch gut fahre. Das hat nichts mit der Entscheidungsqualität zu tun, dass ich einen Strafschluss richtig pfeife, eine rote Karte richtig gebe, sondern das hat damit zu tun dass ich auf dem Spielfeld ein Klima erzeuge, mit dem alle gut auseinander zurechtkommen.
Arndt Ziegler: Und ja, das merkt man hier im Podcast auch, du bist ein kommunikativer Mensch. Ist das auch abseits des Platzes so, also worauf ich hinaus will ist, also du, ihr seid unter Druck, unter hohem medialen Druck von den Fans, von den Zuschauern, von den Trainern, dann kommst du nach Hause, hast vielleicht ein Spiel abgeliefert, was nicht so gut ist. Was macht dann quasi, das ist immer ein Großgesagte, was macht der Mensch Patrick Idrich dann? Wie geht er damit um? Wenn das mal nicht gut lief, tauscht du dich aus, redest du über die Gefühl und ja, jetzt ist so ein ein bisschen Klischee, aber... Dieses Thema Männer und Gefühle, also du tauschst dich aus und mit wem und wer ist da so dein Anker?
Patrick Ittrich: Dann emotionaler? Ja, da gibt es mehrere emotionale Anker. Ich habe natürlich mir so ein Konglomerat von Menschen aufgebaut, mit denen ich über die Sachen rede. Das sind Freunde von mir, teilweise auch Schiedszer, die in derselben Klasse pfeifen. Freunde, die es verstehen, aber auch Menschen, die mit überhaupt nichts zu tun haben und die mein Wirken von außen ganz anders betrachten können. Und das sind viele, auch teilweise Schiedser aus anderen Sportarten. Wie gesagt, natürlich die Familie ohne Frage, das steht ja völlig außer Frage und mit denen tauscht man sich aus und ich muss ganz ehrlich sagen, es gab schon zwei, drei Spiele, die haben mich wirklich auch emotionalisiert und getroffen, traurig gemacht oder alle Emotionen, die man sich vorstellen kann, wenn ein Spiel nicht gut lief, mit allem, was danach kommt. Kannst du da ein Beispiel nennen, mal konkretisieren, welches ein sehr emotionales Erlebnis war? Benutze zwei Beispiele. Einmal habe ich das Spiel Worsburg gegen... Auf jeden Fall Worsberg übrigens. Wors berg ist immer was los, ehrlicherweise. Worsbog gegen Schalke gepfiffen. Das war so das erste Spiel, was völlig entglitten ist. Wo ich aus einer roten Gelbe gemacht, aus der gelben eine rote gemacht habe. Anfänge des Videoassistenten und dann habe ich meine die Karten vertauscht. Dann wollte ich einem gelb zeigen, habe ihm die rote Karte gezeigt, habe die wieder weggepackt. Ich war völlig auf. Also ich war völlig, komplett auf. Und musste dann danach auch noch drei Tage nach Ufa fliegen, West-Ural, Moskau, FK Ufa gegen Glasgow Rangers als Viertoffizieller, ich hatte Bock auf gar nichts mehr, du hast danach telefoniert, dann hieß es der SU schlecht, der muss absteigen und keine Ahnung, da prasselt alles auf einen ein, dann fliegst du erstmal noch in Ural irgendwohin, dann musste ich von da zum Sportgericht fahren, weil die rote Karte, die ich gegeben hab, die wurde angefochten von dem Verein, also das war eine Woche zu vergessen. Und dann hast du das nächste Spiel vor der Brust, wo du vielleicht dann irgendwann wieder nach drei Wochen ein Bundesligaspiel kriegst, das muss dann funktionieren. Weil wenn du wieder kacke pfeifst, dann weiß man auch irgendwie, dass es gerade nicht so gut ist. Mit dem Mann hat man auch mal Phasen, wo es nicht so so gut läuft. Und dann gab es auch mal ein Spiel, das war überhaupt nicht, weil ich mit dem Kopf ganz woanders war. Von vornherein. Und ich sage immer, das sage ich auch immer, wenn ich manchmal auch spreche, über Kritikkultur und über Kommunikation und den eigenen Anspruch an sich. Also... Wenn du im Bundesliga-Spiel fifst, das ist eine gewisse High-Performance, sage ich jetzt mal. Absolut. Und da musst du komplett frei, mit 100-prozentiger, und 100-Prozent ist mal so eine Sache, da habe ich gerade ein gutes Beispiel gehört, was sage ich 100-%, aber jetzt also da musst du wirklich topfit und gut bestens vor beide in so ein Spiel gehen. Und wenn du das nicht kannst, musst du es eigentlich abgeben. Habe ich aber nicht gemacht, weil ich gesagt habe, das schaffe ich schon irgendwie. Ist mir auch entglitten, nicht so schlimm, aber ist auch entgelitten, weil das waren dann private Sorgen, die ich hatte. In der Familie. Und dann merkst du, das geht nicht. Und dann musst du dir selber so treu sein und sagen, dann muss ich, dann gehe ich heute nicht zur Arbeit. Dann nehme ich mehr, dann bin ich eine Woche, dann kann ich einfach mal nicht. Dann muss man sich das eingestehen und sagen jetzt ist auch mal gut. Und das gilt gerade, wenn du in der Öffentlichkeit bist, noch viel, viel mehr. Weil wenn dann ein Fehler passiert, kann dann natürlich multiplizierend so extrem sein, dass sich das irgendwie nach hinten beamt und das kann nicht funktionieren, deswegen, aber da habe ich mir schon vieles aufgebaut und über die Jahre wirst du auch erfahren, man kann auch mit gewissen Rückschlägen dann auch besser umgehen, das kommt ja auch noch dazu, aber ich habe einen Sportpsychologen, also einen Festen, mit dem ich mich relativ häufig austausche, jetzt in letzter Zeit ein bisschen weniger, aber das gilt ja auch für Verletzungen und für Rückschläge, auch für Mentale, wenn du sagst, komm ich nochmal wieder, all solche Sachen, die spielen auch mit rein.
Arndt Ziegler: Also den nimmst du auch quasi remote in Anspruch, den rufst du an, wenn was ist, und der... Seit wann hast du den? Ne, den hab ich...
Patrick Ittrich: Den habe ich seit 2012.
Arndt Ziegler: Gab's damals, jetzt ist es genau die Zeit wieder, mit Barbara Grafati, aber hatte das damit was zu tun? Das hatte man damals.
Patrick Ittrich: Man hat damals Sportpsychologen eingeführt für die Schiedsrichter, ich habe ihn aber für mich genutzt. Also bei mir war es so, ich hab ihn dafür genutze, ich bin nicht in die Bundesliga aufgestiegen. Es gab so bei mir Jahre, ich war 2009 in die zweite Liga aufgestingen. Und bin fast jedes Jahr aufgestigen, nachdem ich auch schon mal wieder abgestiegen bin. Ich habe so gut gefiffen, dass ich eigentlich damit fest gerechnet habe, 2010 wurde mir auch gesagt, du steigst in die Bundestiga auf. Dann wäre ich 32 gewesen, dann hätte ich vielleicht noch eine FIFA-Karriere vor mir gehabt und da war ich richtig gut. Und dann kam ein Spiel, wo ich echt kacke Gepfiffen habe und damit war die Saison beendet für mich. Weil das so eine schlechte Note gab, dass du damit einfach nicht mehr in die Range in der 2. Niga kommst, um aufzusteigen. So, und ein Jahr später, 2011 dann Barbara Grafati, 2012 Kreuzmann Riss, 2013 völlig unerwartet, Hammerhart, meine Mutter gestorben, mit allem Drum und Dran, Vater betreuen, also da kommen dann so Sachen auf einmal, alles, und dann ordnest du dich vielleicht selber oder wirst in eine Schublade eingeordnet als Schiedsrichter und kommst aus dieser nicht mehr raus. Ich wollte da aber raus, hab mir nur gesagt, wie schaffst du das? Also hab ich mir den Sportpsychologen genommen.
Arndt Ziegler: Ich meine, das ist ja nicht nur bei Schiedsrichtern, bei Sportlern, bei Provinenten so. Das ist ja überall so. Und jemanden zu haben, der sich damit auskennt, so eine Währung im Kopf zu lösen, macht ja hochgradig Sinn. Und bei dir, wenn du die drei Beispiele nennst, denke ich mir so, wow, ja klar, viel zu viel. Kann man alleine nicht hinbekommen. Kann man eigentlich alleine nicht hinkommen, genau. Und kann man vielleicht auch der Familie und Freunden nicht immer aufbürden, das zu tun und dann...
Patrick Ittrich: Und zumindest mit einem Ziel, dass du noch irgendwo ganz woanders hin willst. Wie soll das funktionieren? Also hab ich gesagt, ich brauchte irgendwie Hilfe. Und wie komm ich aus dieser Schublade raus? Was kann ich anders machen, damit ich gesehen werde als ein anderer, als der ich bin? Ja. Also ich sag immer, und das sag ich auch mal, Jungen Schiedsrichter, dann auffallen, ohne aufzufallen. Das musst du jetzt mal nachdenken, ne? Das muss ich jetzt mal einsortieren. Das heißt, du musst irgendwas anbieten, um auf dich aufmerksamer zu machen, aber du darfst nichts verändern. Im Sinne von, ich mach jetzt ein Spiel extra schwer, damit ich eine gute Note kriege. Sondern was kann ich tun in diesem Spiel, um besser dazustehen, im Sinne von ich laufe mehr. Ich sorge wirklich dafür mit wirklich harter Arbeit meine Einzelentscheidungen. Die nicht so gut waren, besser zu machen. Ich, keine Ahnung, ich eignet mir an, vielleicht ein Augentraining zu machen, was auch immer. Also, biete irgendwas an, damit du sichtbarer wirst, ohne dass du das Spielfeld rehst. Auf Schiedslerbezugung, das geht ja in viele Bereiche so. Ich muss irgendwas machen, um aus dieser Bubble rauszukommen.
Martin Werner: Und da gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie du gerade gesagt hast, Seetraining und so weiter. Gibt es da irgendwie auch dann einen Pool, wo man ... Also, wenn du jetzt sagen würdest, du fallst natürlich am absoluten Limit, bist wahrscheinlich, nicht nur wahrscheinlich, sondern bist einer der besten Schiedsrichter in Deutschland, aber wenn du sagen würdest, daran kann ich noch arbeiten, was wäre das? Also, es ist ...
Patrick Ittrich: Das geht ja immer von dem aus, was der Ist-Stand ist. Zumindest mach ich das in dem Moment so. Ich versuch auf Wieder-Neu-Spruch, Stärken, Stärke, Schwächen, Schwäche. Ja, jetzt ist es ganz neu, ne? Find ich herrlich, den Spruch. Aber da ist natürlich auch was dran. Absolut. Eine gewisse Erhaltung, das schaff ich schon, aber versuchst du nicht, das zu erhalten. Das andere, da muss ich aber dran arbeiten. Das muss schon ineinander übergehen. Und das war in der letzten Saison, also vor meiner Verletzung, schon meine Entscheidungsqualität. Also ich hab schon auch viel Pech gehabt mit gewissen Entscheidungen, aber ich hab gewisse Entscheidungen die spielentscheidend waren, nicht ohne Hilfe des VHRs lösen können. Jetzt kann man sagen, der hat das Spiel aber geil gefiffen, ein geiler Kommunikator und ein geiles Spiel geleitet, keiner wollte was von dem, jetzt musste er da zwar einmal rausgehen und das korrigieren, aber wollte keiner, war ja so klar. Und das ist genau das Problem, das war ja SO KLAAR. Also ich hätte es auch selber entscheiden können, nicht in jedem Fall. Aber vielleicht in drei, vier Situationen hätte ich vielleicht, wenn ich vielleicht noch den extra Meter gegangen wäre, wenn ich mich vielleicht noch mal anders gestellt hätte, wenn ich ein bisschen mehr Glück gehabt und das Glück erzwungen hätte, hätte ich die Entscheidung auch selber treffen können, hätte die Video-Ascenden gar nicht bemüht, wäre meine Entscheidungsqualität besser gewesen. Das ist ein ganz klarer Fokus für mich gewesen, das zu verbessern mit Neuro-Athleti-Training, mit Fokus auch in Sachen Sportpsychologie. Das sind ja ganz spezielle Fragestellungen, ganz speziell Aufarbeitungen, wie man besser werden kann in dem Punkt und das gehe ich jetzt an und dann schauen wir mal, was nächste Saison passiert.
Arndt Ziegler: Ist der Podcast hier mein erstes Mal und da muss die Frage natürlich kommen, so wie zum Teufel kommt man eigentlich auf die Idee Schiedsrichter zu werden und zu sagen, ok, jetzt kicke ich nicht wie alle meine ganzen Kumpels um mich herum, sondern ich pfeife jetzt zum ersten Mal ein Spiel. Also was war da los? Mama
Patrick Ittrich: das getan? War gar nicht so anders wie bei anderen auch. Ich hatte gar keinen Bock, Schiedsrichter zu werden. Sie brauchten einfach einen und du warst nicht... Ne, auch das nicht. Ich war in der Tat auch jetzt, selbst zur Weihäucherung, ich war auch ein relativ guter Kicker. Hab in der Hamburger Auswahl gespielt, hab auch zum HSV hin schufiert, St. Pauli dann auch in der Aion gespielt. Also ich war relativ gutter Kicker, bis dann die beiden Weiß man, dass sie kam? Und ich wollte eigentlich, damals, als ich in der Jugend gespielt habe, mit 13, 14 wollte ich kein Schiedsrichter werden. Und wie es so war früher und heute immer noch, der Vereinsobmann oder der Trainer kommt auf mich zu und sagt, wir haben keinen Schiedsspieler. Wollt ihr nicht? Und zwei haben gesagt, machen wir. War meine besten Kumpels in der Mannschaft. Und ich habe gesagt, auf gar keinen Fall will ich Schiedslieder werden. Ich will kicken. Wie alt warst du da? Da war ich 14. Und mit 14 kannst du noch mal den Schein machen. Und dann haben die einen ja gefiffen und haben dann irgendwann gesagt, Patrick, ohne Witz, das bringt voll viel Spaß. Du kannst es dir nicht vorstellen, das ist richtig geil, das macht richtig Laune, mach das mal. Sind die beiden immer noch aktiv? Und nein, der eine ist jetzt CEO bei Metro, Carlette Backbahn, schöne Grüße Carlet. Und Kevin Ohje ist, glaube ich, jetzt irgendwie nach Lüneburg gezogen, sind beide nicht mehr aktiv. Carlet war auch eigentlich immer der, von dem man gesagt hat, der pfeift irgendwann Bundesliga. Und wir waren drei so, man könnte fast schon sagen, so ein goldener Jahrgang. Das gibt es auch bei Schiedsrichtern? Das gibt's auch bei den Schiedskrätern, weil wir drei wirklich stabil gleichzeitig Klassenübersprung haben und aufgestiegen sind, bis teilweise in die dritte Liga, wo ich dann bei Karlat gewunken habe, als Öding noch ein Verein war, wo man hinfahren konnte. Das ist ja nicht mehr der Fall. Da hieß es ja noch Bayer, ich weiß es gar nicht. Ich wollte es nicht und dann habe ich es gemacht und das ist das Interessante an der Schiedsrichterei. Du kannst erst sagen, ob du da Bock hast, wenn du es gemacht hast.
Martin Werner: Ist ja bei vielen Sachen im Leben eigentlich so, ne? Aber du brauchst ja irgendwie den Anstoß, das mal zu machen.
Patrick Ittrich: Du brauchst den Anschluss, das mal zu machen und das ist natürlich was Spezielles, weil du musst Entscheidungen treffen.
Arndt Ziegler: Genau und das ist ja, also wir haben ja schon mal fürs Magazin Gespräche geführt und da ist mir im Kopf geblieben, dass du gesagt hast, dass das einfach so viel Spaß macht, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und dass das was ist, was dich auch im Leben so weitergebracht hat. Das heißt, dass was du in der Schiedsrichterei von klein auf gelernt hast, hat dich im Leben wahnsinnig weitergebracht und deswegen wirbst du ja auch.
Patrick Ittrich: Für den Job des Schiedsrichters. Ja, weil wir eine Denkumkehr brauchen. Das ist das, was alle denken. Denkst du an Schiedstäterei, warum tu ich mir das an? Das ist, was du mit Schiedsstäterei assoziierst. Als Allererstes und nicht ... Alter, was, ein geiler Job, das gibt's noch nicht. Entscheidungen treffen, heute können sich die Leute zwischen Pizza und Nudeln entscheiden. Dann bist du kritikfähiger, du bist ein Organisationstalent. Was du alles für geile Attribute lernst, das assoziert keiner mit Schiesrichterei. Die denken nur, der kriegt die auf die Fresse, warum immer dieselben Dinge, die du da hörst. Und diese Denkumkehr, dafür werbe ich eigentlich überall, wo ich kann, weil du mit diesem Job, dir wird Tür und Tor geöffnet. Also ich sag mal so, du musst natürlich eine gewisse Art von sozialer Kompetenz mitbringen, um vielleicht ganz oben anzuklopfen, auch einen Beruf. Aber grundsätzlich, wenn du Schiedsrichter bist und das gelernt hast und weißt, dich durchzusetzen, dann ist dir Tür und Thor geöffneter Berufswelt. Definitiv. Das kann ich so unterschreiben, das sage ich überall so, weil, nochmal, Kritikfähigkeit, Entscheidung treffen. Also ich vergleiche das immer, wenn ich, du stehst als 15-Jährige, meine Tochter hat auch mal gefiffen und da pfeift immer noch, wenn sie auch verletzt, die das Abi gemacht hat. Du stehst dort, musst erstmal lernen, Zeichner links oder nach rechts, ja, wo muss mich hin bewegen, wo ist die beste Position, um zu gucken, ob der Ball im Maus ist. Dann kommt noch ein Junge, da muss die Schulbänder zugemacht werden, dann kommt der Trainer von drüben und sagt, er ist immer für mich. Du musst ja mit tausend verschiedenen Reizen auf einmal umgehen, das hast du vorher nie gelernt. Und am Ende musst du noch eine Quittung schreiben. Du bist also auch noch buchhalterisch tätig, BWL hast du auch noch in der Tasche. Und musst du einen Trainer geben, der dich noch beschimpft und dann sagt, pass mal auf, du Otto, von dir kriege ich aber auch noch 10 Euro. Also was du alles abspultst innerhalb eines Spiels ist schon cool.
Arndt Ziegler: Das bringt dich unfassbar nach vorne. Ist denn von deinen vier Kindern jemand dabei, der oder die in deine Fußstapfen mal treten möchte?
Patrick Ittrich: Ja, ich glaube, die, sagen wir mal so, die dritte, die wollte das mir zuliebe machen, das hat nicht so richtig funktioniert, das kann aber noch mal was werden, weil die ist eigentlich prädestiniert dafür, ehrlicherweise, die ist auch gerade bei der Polizei im Praktikum, die ist 16, die macht das toll und die jetzt das Abi gemacht hat. Leonie, die ist Schiedsrichterin, aktiv, die musste allerdings, weil sie eben so wie ich im selben Alter einen Kreuzband, das hatte im Sportprofil, aufhören, dann kam das Abi dazwischen. Sie muss für sich selber entscheiden, ob sie's mal macht, aber sie hat lange gefiffen, das war auch vernünftig. Da muss man schon sagen, da ist auf jeden Fall auch Potenzial da. Aber am Ende, sag ich ganz ehrlich, das sollen sie für sich selbst entscheiden. Die Große studiert in Berlin Schauspiel. Die machen alle einen tollen Weg.
Arndt Ziegler: Gesagt, deine Tochter macht jetzt ein Praktikum bei der Polizei, da komme ich einmal auch zu deinem, das vergessen ja immer viele. Ja, ist ja wirklich so. Also du hast noch einen seriösen Beruf. Du bist Polizist und da hast du uns im Vorfeld auch erzählt, dass du da gerade aktuell so ein Projekt hast, das dir besonders am Herzen liegt. Also wir leben ja in Hamburg, wir bekommen diese leider immer wieder häufiger auftretenden Verkehrsunfälle mit, die durch abbiegen der Lkw, durch abwiegen der Autos, eben durch diesen Schulterblick, durch den Fehlenden entstehen und da hast du ein Projekt ins Leben gerufen. Richtig? Und das liegt dir sehr am Herzen, erzähl mal. Genau.
Patrick Ittrich: Vielleicht nur im Vorwege, ich betreue den Plakat- und Liederwettbewerb der Polizei Hamburg. Also ich bin an der Dienststelle für Verkehrsprävention und Verkehrserziehung. Ich war ganz lange Jahre der Hamburger Verkehrskasper, also habe dem Hamburger verkehrskaspar meine Stimme gegeben. Ich bin da in die Schulen gefahren und habe... Tritratralala... Im Endeffekt, ich kann so ein paar Stimmen imitieren, daher kennst du mich ein paar Stimmen, imitierter Norbert Naser. Also, ich kann so paar Dinger, kann ich rauskloppen. Muss man halt lernen, ist ein Handwerk, hat mir unfassbar viel Spaß gemacht, weil die Dankbarkeit der Kinder, die du sonst als Polizeibeamter von der Öffentlichkeit vielleicht nicht so bekommst, die ist unfassba. Die ist unfaßba. Und du kommst ja auch in sozial schwache Stadtteile, wo Kinder auch vielleicht kein gutes Elternhaus haben und die umarmen dich da, packen dich an und das ist schon wirklich, also teilweise echt heftig und herzerreißend, was du da erlebst und da wusste ich, das ist meine Dienststelle, das finde ich toll und hab dort diesen Plakat und Liederwerb. Übernommen, das ist eine weitere Säule, wo Kinder und Jugendliche von der dritten bis zur neunten Klasse, wir geben einen Slogan vor und die malen dann oder komponieren mit der Chorleiterin komponnieren die dann Lieder und zu diesem Slogen malen die dann Bilder und die werden prämiert im Ernst-Deutsch-Theater, wir sind ein Verein, den wir gegründet haben vor Ewigkeiten, damit dort Kinder auch Geldpreise erhalten können für die gemalten Bilder. Und das wird riesengroß prämiert. Da ist der Bürgermeister mit einer Videobotschaft dabei. Und ich moderiere das mit. Und beim Liederwettbewerb ist Erding und Revolverheld und Zukowski in der Jury. Also das wird richtig dick aufgefahren. Und die machen richtig tolle Werke. Und so sehen Kinder den Straßenverkehr aus ihren Augen. Und Erwachsene können sehen, wie Kinder den Straßenverkehr sehen aus ihren Augen. Sowohl einmal künstlerisch singend als auch künstlersch malend. Das ist mein Wettbewert. Und das Slogan für dieses Jahr ist super Trick Schulterblick. Und jetzt ist, und Straßenverkehr ist, um niemand zu verurteilen, eine allgemeine Sache. Grundsätzlich ist natürlich ganz häufig der Fall, dass abbiegende Fahrzeuge, diejenigen, die dort an der Straße stehen, nicht sehen wollen, weil jeder Fehler macht. Das macht keiner mit Absicht. Aber jeder ist im Straßenverkehr gefragt, seinen Teil dazu beizutragen, dass es uns gut geht. Das ist ja auch der Paragraph, der sagt, jeder hat sich zuzuhalten, dass keiner andere gefällt und so weiter und so fort. Ich will das jetzt kein rechtliches Ding hier raus machen. Aber deswegen sind alle mit im Boden. Deswegen ist das, was dann in Volkshof passiert ist im März mit dem siebenjährigen Jungen, der vom Müllauto überfahren wurde, nicht nur weil ich aus der Ecke kommen, sondern das hat mich einfach, weil Kinder in dem Alter, meine Tochter ist hier, wir haben viele Kinder in diesem Alter, meine Frau arbeitet in dem Kindergarten, wo der Junge selber, das hat, das mich bewegt und echt bewegt, muss ich sagen. Und ich habe gesagt, das darf eigentlich nie wieder passieren. An der Stelle gab es noch nie einen Unfall. Noch nie. Mhm, das war ... Das hätte nicht passieren dürfen so und ich will, dass das nie wieder passiert und bin jetzt dabei eine Kampagne zu machen Und ich darf nicht zu viel verraten, weil wir noch am Fundraising sind. Also wir suchen noch Sponsoren. Das sieht sehr gut aus Eine Kampagnen zu machen die Hamburg und deutschlandweit vielleicht Gehör findet zum Thema Schulterblick abbiegen miteinander Und das ist das wo ich gerade dabei bin das zu planen neben der Tätigkeit im Endeffekt mit diesen Wettbewerben die immer einmal mehr stattfinden also meine Arbeit bei der Polizei richtig gute Aktion dass ihr das auf die Bühne geschaut habt.
Arndt Ziegler: Definitiv, definitiv.
Martin Werner: Sehr gut. Patrick, ich mache nochmal zwei schnelle Fragen zum Schluss. Die eine interessiert mich persönlich sehr. Kannst du das sagen? Aus deiner Sicht der beste Schiri aller Zeiten. Gibt es das? Kann man das so sagen?
Patrick Ittrich: Ich würde das gliedern in einmal die beste Schiedsrichterleistung, die ich je gesehen habe, live für mich und der beste Schiesrichter. Also ich war einer, ich hatte nie große Vorbilder als Schiedstrichter. Also ich habe nicht gesagt, das ist mein Vorbild, so wie der will ich mal sein. Hab ich nie gehabt. Hab ich nicht gehabt. Alle nehmen immer Colina. Hätte ich jetzt auch, wäre auch meine gewesen. Alle nehmen Colina, nehmen immer, also mit Colina ... Verbinde ich nicht so viel, muss ich sagen. Das ist ein hervorragender Schiedsrichter gewesen und natürlich auch einer der Besten seiner Art ohne Frage, weil er auch so ein ... Er hat natürlich ein sehr prägnantes Gesicht, Ausstrahlung, Aura, Augen, et cetera. Das passt natürlich dazu zu einem weltklasse Schiedtsrichter. Ähm, und deswegen waren für mich Vorbilder nie so gegeben. Wir haben, wie gesagt, Howard Webb kenn ich persönlich. Das ist auch noch ein ganz feiner Mensch, er ist mit Bibiana Steinhaus, Webb verheiratet. Die ich ja auch sehr gute Freunde von mir ist. Howard kenne ich auch sehr auch ein hervorragender Schiedsrichter. Wir haben viele tolle Schiedse, deswegen kann ich da kein einzelner rauspicken. Was ich allerdings sagen kann ist, dass, auch wenn vielleicht das einige Bayern-Fans sich hören mögen, Szymon Marciniak aus Polen. Der hat das WM-Finale 2022 gepfiffen. Argentinien gegen Frankreich und da hat er für mich die Ich weiß, ich schütze die Lesung. Abgeliefert, die ich je gesehen habe.
Martin Werner: Hat fast Potenzial, sich das nochmal anzugucken.
Patrick Ittrich: Das war für mich so unfassbar geil gefiffen, so was hab ich noch nie erlebt. Also wirklich, das muss ich wirklich sagen. Wenn du in der, du musst ja wissen, wenn du Argentinien pfeifst oder südamerikanische Länder, da ist ja Rambazamba drin. Im Viertelfinale ist Antonio Mateo Lahoz, ganz bekannter Schiedsrichter aus Spanien, der seine Karriere beendet hat, völlig untergegangen in dem Spiel. Hat Argentinie gegen Holland gefiffened, mit 17 gelben Karten, das ging drunter und drüber. War auch ein Wahnsinnsspiel. War ein Wahnsinnspiel, hat er nicht unter Kontrolle bekommen. Hat er abgegeben, hat er einfach abgegeben das Spiel, hat ein anderes Gefühl, hat abgegeben. Das passiert, ist mir ja auch schon passiert, deswegen ist jetzt im Glas raus. Ich will nur sagen, dass du wissen musst, er hat von der ersten Minute, in der ersten Minute hat er sich den ersten Argentinier geschnappt und hat gesagt, bis hier hin und nicht weiter. Und das hat er durchgezogen, die haben ihm gefolgt und wenn du in der 117. Minute einen Strafstoß, dass der zum 3 zu 3 für Frankreich führt, pfeifst, Und keiner will was von dir. Im wichtigsten Spiel der Welt alles richtig gemacht. Ist das so gewesen, dass da gar keiner hin ist? Nein, der hat ein Handspiel gefiffen, der Argentinier springt raus, ich weiß gar nicht mehr, wer das war, hat den Arm so rechts oben, ein ganz klares Handspiel, er steht perfekt, klare Zeichengebung, ohne dass irgend einer an ihm rüttelt, klaren Kommunikation, klarem Präsenz und dann gucken die alle ihn an, auf der Bank fangen sie schon an zu heulen, weil sie wussten, scheiße, es gibt jetzt einen Strafstoß. Der eine, der wollte, dann kam Zweierner, haben mit ihm ein bisschen diskutiert, aber keiner hat ihn angegangen, ist auf ihn losgelaufen und auch sofort haben sich wieder entfernt. Das Spiel ging ja dann für Argentinien im Elfmeterschießen ja dann positiv aus, aber die Art und Weise, wie der dieses Spiel geleitet hat, von der Gestik, Medik, Kommunikation, Entscheidungsqualität, unfassbar. Deswegen ist das für mich die beste Schiedsrichter der Leistung, die ich in den letzten 10, 15 Jahren gesehen habe. Vorher habe ich nicht geguckt. Doch, doch, ich wäre ja schon 30 Jahre Schiri, aber naja.
Martin Werner: Patrick, willkommen zur letzten Frage. Gibt es ein erstes Mal, auf das du dich in Zukunft noch freust?
Arndt Ziegler: So, jetzt kommt bei dir die Denkpause.
Patrick Ittrich: Auch ein bisschen. Ich wollte eigentlich spontan antworten, aber ich habe es mir noch verkniffen, aber ich glaube, es macht Sinn, wenn ich sage, wenn nicht aufhör. Darauf freust du dich? Ja. Weil es dann gut ist. Und wann hast du davor aufzuhören? Das weiß ich noch nicht. Aber nicht lange. Es wird nicht mehr lange dauern, glaube ich.
Arndt Ziegler: Und das ist tatsächlich so ein Moment, weil du glaubst, du hast dir jetzt auch durch deine Tätigkeiten, du hörst so rundherum was auf, dass du auch guten Gewissens aufhören kannst.
Patrick Ittrich: Ja, ich glaube, ich werde mich darauf freuen, weil dann der ganze Druck auch abfällt. Also es ist immer Druck da, definitiv. Und ich glaube in dem Moment, wo du sagen kannst, jetzt ist Schluss und bist mit dir im Reinen, das glaube ich, wird ein ganz, ganz toller Moment. Da freue ich mich richtig drauf. Mein erstes Mal zu sagen, ich pfeife kein Spiel mehr. Ich glaube, das wird richtig, richtig gut. Das hört sich vielleicht ein bisschen komisch an, weil man, das wirst du als Fußballer kennen, wenn du in Stalden einläufst, wo 80.000, 70.000 und 60.000. Das ist teilweise wie eine Sucht.
Martin Werner: Also ich kenne viele Spieler, die jetzt in meinem Alter sind und jetzt aufhören müssen und die Frage nach dem Danach. Genau, richtig. Und du hast es nicht mehr, dass du dann da ein Tor schießt und das Stadion explodiert. Dann bist du dann gefüllt alleine.
Patrick Ittrich: Und damit musst du zurechtkommen und das musst du wollen und das muss du ausschleichen. Damit du da das Problem mich hast oder dir drum herum was aufbauen oder mit dir im Reinen sein und zu sagen jetzt höre ich auf, ist mir egal, dann habe ich halt gerade gar nichts mehr, es ist okay für mich. Das musst du für dich klären und das habe ich sogar schon für mich geklärt. Aber wenn ich aufhöre, weiß ich nicht, weil es bringt mir natürlich Spaß. Aber ich weiß, wenn ich aufföre, freue ich mich drauf und dann das erste Mal zu sagen ich pfeife nicht mehr, da freue ich mir irgendwann drauf.
Arndt Ziegler: Ganz letzte Frage, eine habe ich noch, und zwar eine kleine, und das, was ich gerade hin war, überhaupt nicht vorbereitet. Wenn jetzt jemand dein letztes Spiel abpfeift, wie würdest du den eigentlich wünschen, dass derjenige abpFEIFT? Wir haben zwei Möglichkeiten. Einmal, klassisch.
Martin Werner: So? Oder aber? Oder man könnte so abpfeifen. Zu deinem Abschied.
Patrick Ittrich: Das wär's. Den zweiten kenn ich. Klassisch.
Arndt Ziegler: Ist vorbei und dann ist es gut. Dann beenden wir das hier klassisch. Vielen, vielen Dank für deine Zeit. Ich finde, das war ein sehr ehrliches, spannendes, echt gutes Gespräch. Sehr gerne.
Martin Werner: Vielen Dank, Patrick. Ich werde mir jetzt nochmal das Spiel angucken von der WM Argentinien gegen Frankreich.
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